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Wir dürfen das Carolus nicht sterben lassen

Aktualisiert: vor 5 Tagen

Ein Plädoyer für die Rettung der kleinen Krankenhäuser im ländlichen Raum – und für mehr Menschlichkeit in der Medizin.

Ich hätte nie gedacht, als ich Pflege studierte, dass ich jemals entlassen werde.

— Ein junger Pfleger

Etwas funktioniert nicht mit der Demokratie. Wenn ich über einen schlechten Zustand mit jemandem sprechen möchte, gibt es niemanden, der für irgendetwas verantwortlich ist. Ich weiß nicht, wohin ich mich wenden soll.

— Eine ältere Ärztin




Es gibt ein Gefühl der Hilflosigkeit. Dinge geschehen in der Gesellschaft, gegen die die Bevölkerung nichts ausrichten kann. Sie ist dagegen – und weiß doch nicht, wo sie ihre Stimme erheben soll. Man fühlt sich ausgeliefert an eine Macht von oben, die über das eigene Leben bestimmt und der man nichts entgegensetzen kann. Ein Gefühl des Ausgeliefertseins.

Ich wollte diesen Artikel schon vor zwei Wochen schreiben. Doch ich wusste, dass er wenig bewirken würde, um diesen Menschen zu helfen, deren Stimme nicht gehört wird. Einen Zustand anzuprangern, der so negativ ist. Eine Entwicklung zu stoppen, die die Lebensqualität in diesem Land empfindlich verschlechtern wird. Ich muss es trotzdem schreiben. Die Hoffnung, dass es noch etwas verändern kann, wird als Letztes sterben.


Ende September schließt das St. Carolus-Krankenhaus in Görlitz – eines der beiden Krankenhäuser der Stadt. Sie nennen es nicht „Schließung“. Sie nennen es „Umstrukturierung“. Manche Stationen werden geschlossen, andere mit dem Städtischen Klinikum verbunden. Eine echte Umstrukturierung würde bedeuten, ähnliche Strukturen anders zu verteilen, Personal zu teilen und so weiter. Im Carolus schließt jedoch die Notaufnahme, die Intensivstation wird eingestellt, und rund 120 Mitarbeiter werden entlassen. Das als „Umstrukturierung“ zu bezeichnen, ist eine gewollte Irreführung der Öffentlichkeit. Wäre es etwas Positives, würde man es offener darstellen – und kaum jemand hätte etwas dagegen.


Was im Carolus seit Monaten geschieht, ist so bedrückend, dass es mir sofort auffiel, als ich an jenem Mittwoch mit meinem kranken Mann in die Notaufnahme kam. Die Notaufnahme war leer. Wir waren allein mit zwei Krankenschwestern die uns sehr freundlich empfingen. Erst nach einer Stunde kam eine zweite ältere Pazientin dazu. Ich ging durch die Gänge – es war gegen 16 Uhr – und alles war leer. Ich wunderte mich. Mein Mann wurde von einer sehr netten Ärztin behandelt und auf die Palliativstation gebracht, wo er stationär aufgenommen wurde. Ich wusste damals noch nicht, dass diese Palliativstation einen hervorragenden Ruf hat – nicht nur in Görlitz.


Auf dem Weg dorthin fiel mir weiter auf: Keine Seele unterwegs, geschlossene Türen, keine Patienten, keine Pfleger. Auf der Palliativstation bekam mein Mann ein großes Zimmer ganz für sich allein. Ein wunderschönes Gefühl. Wir waren schon in mehreren Krankenhäusern gewesen: dreimal in München und Starnberg, seit der Diagnose seines Hirntumors dreimal im Universitätsklinikum Dresden, zweimal im Klinikum Görlitz – und jetzt zum ersten Mal im Carolus. Das Gefühl war sofort da: Hier ist etwas anders. Wie menschlich, wie freundlich, wie schön. Das große Zimmer hatte einen Blick auf den Wald. Ein Kreuz über der Tür. Ein Radio. Tisch, Schreibtisch, Fernseher, kostenloses Internet, großer Schrank, Kühlschrank und Pflegeprodukte im Bad. Jede Stunde trat eine Krankenschwester ein und fragte, wie sich mein Mann fühle. Mir wurde angeboten, bei ihm zu bleiben – das sei möglich. Ich fuhr dennoch jeden Abend um 22 Uhr nach Hause und war um 9 Uhr wieder da.

Mein Mann lag allein in seinem großen Zimmer. Ein Paar weitere Pazienten schienen noch in der Palliativ-Station zu sein und ihr eigenes Zimmer zu haben. Ein Zertifikal Nr. 115 der Anerkennung von der Stiftung "Stifelsen Silviahemmet" hängt am Flur. "Versorgung, Pflege und Begleitung von Patienten / Patientinnen mit Demenz mit dem besonderen Schwerpunkt auf -Erhalt der Lebensqualität- basierend auf der Palliativen Philosophie nach Silviahemmet."


Eine Krankenschwester fragte, ob mein Mann am Abend gerne Wiener Würstchen haben möchte. In der Küche – die man nutzen darf – kochten manchmal die jungen Schwestern, was immer die Pazienten sich wünschten. In der Küche steht eine kleine Bibliothek und eine CD-Sammlung. Viele christliche Bücher. Etwas Christliches ist hier überall spürbar.

Ich fragte eine Krankenschwester, warum das Krankenhaus so leer sei. „Alles wird sich hier ändern. Wir bereiten uns auf diese Veränderungen vor.“ Mehr durfte sie nicht sagen.

Ich schloss mich im Zimmer ein und begann zu recherchieren. Ich unterhalte mich mit der künstlichen Intelligenz Grok.


"Was geschieht im St. Carolus?

Das privat getragene St. Carolus-Krankenhaus und das Städtische Klinikum Görlitz haben eine enge Kooperation vereinbart. Hintergrund sind die wirtschaftliche Schieflage des Carolus und der Druck der Krankenhausreform. Das Carolus wird schrittweise zu einer sektorenübergreifenden Versorgungseinrichtung (SÜV) umgebaut – einer neuen Versorgungsform aus der Reform. Sie soll wohnortnahe leichte stationäre Behandlungen mit ambulanten und pflegerischen Angeboten verbinden – ohne volle Notfall- oder Intensivversorgung.

Was schließt bzw. stark reduziert wird:

  • Die Notaufnahme schließt zum 1. Oktober 2026. Die Notfallversorgung wird komplett am Städtischen Klinikum gebündelt. (Ärzte aus dem Klinikum sind besorgt: Schon jetzt gibt es lange Wartezeiten und enormen Stress in der dortigen Notaufnahme. Andere sagen klar: Ohne Intensivstation hat ein Krankenhaus keine normale Existenzgrundlage. Wird jemand auf Station so krank, dass er operiert werden muss, muss er transportiert werden.)

  • Die Intensivmedizin wird zunächst verkleinert und zum Jahresende 2026 ganz eingestellt.

  • Die stationäre Innere Medizin wird auf etwa 30 Betten reduziert.

Was bleibt bzw. worauf man sich künftig konzentrieren will:

  • Leichte stationäre Leistungen der Allgemeinen Inneren Medizin

  • Operative ambulante und hybride Leistungen (Allgemeinchirurgie und Urologie) – Entwicklung zum ambulanten OP-Zentrum

  • Stationäre Palliativmedizin

  • Teilstationäre Schlafmedizin

Rund 120 Beschäftigte (von etwa 260) sind betroffen. Das Klinikum hat angekündigt, möglichst vielen eine Perspektive zu bieten. Doch viele Pflegekräfte sind bereits gegangen, bevor sie entlassen werden – weil sie die aussichtslose Situation nicht erleben wollten. Die Stimmung ist niederschmetternd. Ein junger Pfleger kehrt in seine Heimatstadt zurück und wird künftig in einer ambulanten Stelle im Büro arbeiten. Kein Kontakt mehr zum Patienten. Digitale Arbeit.

Die Leitungen und der Oberbürgermeister sprechen von einem notwendigen und positiven Schritt. Beide Standorte blieben erhalten, Doppelstrukturen würden abgebaut. Die wirtschaftliche Lage des Carolus hätte sich ohne Umbau weiter verschärft. Kritische Stimmen von Ärzten sind in den öffentlichen Berichten kaum zu finden.


Die Lauterbach-Reform und die Realität vor Ort

Die Krankenhausreform will die Landschaft neu ordnen: weniger Fallpauschalen, mehr Vorhaltevergütung, starke Spezialisierung, Erhalt kleiner Häuser in der Fläche – allerdings oft als schlankere Einrichtungen. In strukturschwachen Regionen gibt es keine Überversorgung, sondern knappe Ressourcen und demografische Herausforderungen. Deshalb sollen sie umgewandelt werden, statt komplett zu schließen. Kritiker befürchten dennoch, dass gerade ländliche Standorte unter Druck geraten, Wege länger werden und die Grundversorgung leidet.

Für Görlitz bedeutet das: Erhalt beider Standorte und klarere Arbeitsteilung statt drohender Insolvenz. Für Patienten: Notfälle und komplexe Fälle zentral am Klinikum, leichtere Leistungen wohnortnah am Carolus. Die Nachteile – Personalabbau und Wegfall der Notaufnahme vor Ort – werden heruntergespielt."


Die neutrale Beschreibung dieser Reform durch die KI entspricht nicht der apokalyptischen Stimmung im Krankenhaus. Die ärztliche Versorgung der Stadt ist schon seit Jahren katastrophal. In ganz Görlitz betreut eine einzige Onkologin die steigende Zahl an Krebspatienten. Ihre Praxis liegt in diesem Haus. Sie ist überlaufen. Wenn sie in Urlaub fährt, wartet der Krebs nicht. Man muss nach Dresden oder Berlin. Ein krebskranker Mensch kann keine langen Strecken fahren. Die Kranken in Görlitz werden sich selbst überlassen.

Die KI sagt dass die Reform weniger stationäre Pazienten und mehr ambulante Dienste befördert. Natürlich möchte der hochverschuldete Staat damit sparen. Auch mit ambulanten Diensten habe ich Erfahrung gemacht. Dorothea Braumann, 90 Jahre alt, lebt allein in der Augustastraße. Ihre Kinder wohnen in Bautzen. Morgens kommt eine Krankenschwester mit dem Auto und bringt Medikamente. Mittags kommt das Essen. Nachmittags kommt jemand und leistet Gesellschaft. Dorothea ist einsam. Sie weint. Sie möchte nicht mehr in ihrer Wohnung leben und bereitet sich auf ein Altersheim vor. Man kann nicht ein Krankenhaus mit einer Menge ambulanten Dienstleistungen ersetzen, die von Ort zu Ort ständig mit ihren Autos fahren. Der Palliativdienst der jetzt zu meinem Mann kommt, fährt aus Löbau. Das ist nicht mal ökologisch.


Ich vermisse das Carolus. Schon jetzt sehe ich diese Oase am Fuss der Landeskrone als einen heiligen Ort. Ich vermisse die Spaziergänge im Park - die Kapelle, ich vermisse die Gespräche mit dem Personal, die Ruhe. Das Haus ist voll mit "Engeln", wenn man etwas von Metaphysik versteht. Nenne es Gott. Die Ärzte sollten etwas Metaphysik verstehen - nennen wir es Gott - es ist nicht alles Materie in der Welt. Es gibt Wunder, Geist und heilende Kräfte. Und ein kranker Mensch kann noch, mit der Kraft der Liebe und Fürsorge, mit Hoffnung und Wille - geheilt werden, egal wie aussichtslos seine Lage scheint.


Ein Ort der Heilung

Ich und Heinz waren eine Woche auf der Palliativstation des Carolus. Die Pflegerinnen massierten ihn, badeten ihn jeden Morgen, eine Physiotherapeutin machte nachmittags Spaziergänge mit ihm. Freunde kamen, wir gingen in den Garten mit dem Kräutergarten. Heinz kam fast totkrank an und ging wie zehn Jahre jünger wieder hinaus. Ein gesegneter Ort.

Ich bin überzeugt: Ein Krankenhaus ist ein Ort der Heilung. Kein ambulanter Dienst kann das ersetzen. Wir sprechen über eine Institution, die sich über Jahrhunderte als eine der wichtigsten für die Menschheit erwiesen hat. Man baut in Afrika Krankenhäuser und Schulen – weil diese beiden Institutionen zu den fundamentalsten für das Leben der Menschen gehören, in einer Zivilisation. Ein kranker Mensch kann nur in einem Krankenhaus wirklich gesund werden - und ein Kind nur in einer Schule echt lernen.

Über Generationen hat das sich so entwickelt, dass Menschen in Krankenhäuser geheilt werden. Nichts ersetzt die Ruhe, die Sauberkeit, die Kompetenz, die Liebe und das Vertrauen, das ein Kranker in einem guten Krankenhaus findet. Die Energie ist höher, positiver. Zu Hause ist man der Negativität der eigenen Situation oder der Einsamkeit ausgesetzt. Man muss für sich selbst sorgen, kochen, putzen, sich um alles kümmern - und viel denken. Wie soll man da noch die Ruhe finden, um zu heilen?

Das Krankenhaus ist ein heiliger Ort. So etwas darf man nicht zerstören.

Die Gesundheit gehört zu den fundamentalen Rechten des Menschen. Sie muss geschützt werden und die Tradition der Krankenhäuser auch. Vor allem diese, die von christlichen Kongregationen gegründet wurden.


Geschichte und christliche Wurzel

Auf den leeren Gängen liest man die Geschichte des Hauses. Gegründet vor hundert Jahren von den Borromäerinnen. Berühmte Ärzte aus Schlesien kamen hierher und bauten Stationen auf, die zu den bekanntesten in Deutschland gehörten. Man liest die Geschichte der berühmten jüdischen Ärzten Dr. Albert Blau (1869-1941) und Dr. Hans Frankenstein (1899-1983), für den gerade drei Stolpersteine in der Augustastrasse 34 gelegt wurden. Nach dem Ende des Krieges und die Vertreibung der Deutschen aus Schlesien, kamen hier die Borromäerinnen aus Trebnitz (Trzebnica).

Hinter dem Krankenhaus liegen Soldatenfriedhöfe. Es war ein Lazarett im Krieg. So viel Geschichte!


Die Wurzeln reichen bis 1862/1863 zurück. Damals kamen die ersten drei Schwestern der Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Karl Borromäus (Borromäerinnen) nach Görlitz. Sie begannen mit ambulanter Krankenpflege, Handarbeitsunterricht für junge Frauen und eröffneten später einen Kindergarten.

1926 kauften die Borromäerinnen das ehemalige Rittergut in Rauschwalde. Nach nur einjähriger Bauzeit wurde das St. Carolus-Krankenhaus am 21. November 1927 mit Kapelle eingeweiht. Es startete mit 280 Betten und den Abteilungen Innere Medizin, Chirurgie, Gynäkologie/Geburtshilfe sowie HNO. Die Schwestern führten das Haus über Jahrzehnte – durch die NS-Zeit (teilweise als Lazarett), den Zweiten Weltkrieg, die sowjetische Besetzung und den Wiederaufbau in der DDR. Nach der Wende sanierten und erweiterten sie das Krankenhaus mit erheblichen Fördergeldern.

Die Borromäerinnen blieben bis zum 31. Dezember 2003 alleiniger Träger des Krankenhauses. Ab dem 1. Januar 2004 übergaben sie die Trägerschaft an die Malteser, behielten aber zunächst einen Schwesternkonvent im Haus.

Die letzte sichtbare Präsenz der Borromäerinnen im Carolus endete im November 2025. Die verbliebenen Schwestern wurden in der St.-Jakobus-Kathedrale verabschiedet und zogen größtenteils nach Wittichenau. Damit endete nach über 160 Jahren die Ordenspräsenz in Görlitz und fast 100 Jahren im Carolus-Krankenhaus.

Der Malteser-Hilfsdienst wurde in Görlitz bereits 1990 gegründet.

Die eigentliche Trägerschaft des Krankenhauses übernahmen die Malteser am 1. Januar 2004 (zunächst Malteser Betriebsträgergesellschaft Sachsen, später Malteser Sachsen-Brandenburg gGmbH).

Seit November 2021 gehört das Krankenhaus nicht mehr den Maltesern. Es wurde von der Gesellschaft für Gesundheit und Versorgung Sachsen GmbH (GGS) übernommen – einer privaten Unternehmergruppe mit Erfahrung in der Gesundheitswirtschaft.

Heute firmiert es als St. Carolus Krankenhaus GmbH (privater Träger). Die christliche Prägung sollte nach den damaligen Aussagen erhalten bleiben, doch die wirtschaftliche Verantwortung liegt nun bei privaten Gesellschaftern.


Ich schrieb dem Geschäftsführer und bekam ein Treffen. Ich sah einen Wirtschaftsmann, wo eigentlich ein Arzt sitzen sollte. Er sagte, die Reform sei gut und passiere in der ganzen Welt schon seit vierzig Jahren. Görlitz habe zu wenige Einwohner, zwei Krankenhäuser seien zu viel. Man solle in die Großstadt fahren, um bessere Ärzte zu haben. „Wohin würden Sie fahren, wenn Sie ein Problem mit Ihren Knochen hätten?“ fragte er, erwartend, ich würde Berlin sagen. „Rothenburg“, antwortete ich – und meinte damit, dass auch eine kleine Stadt Zentrum einer Spezialisierung werden kann. Tradition ist wichtig. In Rothenburg gibt es eine berühmte Psychiatrie und Orthopädie. Das Carolus sollte sich statt zu schließen ebenfalls spezialisieren – auf das, was unsere Stadt braucht. Spontan sagte ich:


Onkologie

Ein krebskranker Mensch kann nicht nach Dresden fahren, die Strecke ist zu lang. „Es gibt Ambulanzen, Taxis und Züge“, entgegnete er. Mit diesem Mann kann man nicht wirklich sprechen. Er wurde an diese Stelle gesetzt, um die Entscheidungen von oben um jeden Preis zu verteidigen. Am Ende fragte er mich: „Warum wohnen Sie in Görlitz?“ Mit dieser Frage verstand ich, dass auch er aus dem Westen gekommen ist und keinen inneren Bezug zu diesem Ort hatte - er kann sich nicht vorstellen warum ich in Görlitz wohne. Weil das meine Heimat ist! Noch einer, der Görlitz und seine Bewohner nicht liebt. Nicht mit der Erde verbunden. Dass das Krankenhaus schließt, ist ihm egal. Seine Firma hat mehrere solcher Häuser in Deutschland. Wenn eines schlecht läuft, laufen andere besser.

Traurig wenn die Autoritäten die einen Ort verwalten keine Beziehung zum Ort haben, ihn nicht lieben. Dann passieren solche Katastrophen wie die Schliessung des Carolus.


Eine Institution hat eine Geschichte. Dieses Krankenhaus ist mit dem Leben dieses Ortes verbunden. Ich weiß, wovon ich spreche. Als Kind brach ich mir das Bein und wurde ins Krankenhaus nach Trebnitz gebracht – ebenfalls von den Borromäerinnen gegründet. Das mittelalterliche Gebäude, noch von der heiligen Hedwig gestiftet, das nette Personal, meine Heilung – all das prägt mich bis heute. Das Carolus hat eine wichtige Geschichte und prägt das Leben der Görlitzer seit Generationen so stark, dass man es nicht einfach „umstrukturieren“ kann. Es ist auch architektonisch wunderschön: Art-déco-Elemente aus den Zwanzigerjahren, Fotos der Borromäerinnen, die kochen und pflegen. Die letzte Schwester hat Görlitz vor einem Jahr verlassen. Wie konnte man das zulassen? Die Kongregation hat noch ein berühmtes Krankenhaus in Trier.


Ich bin überzeugt: Krankenhäuser, die von Klosterorden gegründet und betrieben wurden, müssen als kulturelles Erbe Europas geschützt werden – am besten als immaterielles UNESCO-Kulturerbe. Die christliche Komponente dieser Orden spielt eine essentielle Rolle für die Heilung der Menschen. Das Heilende und Humanistische der christlichen Religion darf nicht aus Europa verschwinden. Es muss geschützt werden.

Besonders in unseren Zeiten, in denen der Mensch seinen Wert verliert, als Nummer gesehen wird und immer mehr über Euthanasie gesprochen und an der Begleitung in den Tod gearbeitet wird statt an der Heilung: Die Orte, die christlich geführt werden, sind Heiligtümer. Sie dürfen nicht einfach abgeschafft werden. Man muss Lösungen suchen, damit genau diese unschätzbare Eigenschaft erhalten bleibt und berühmt wird.


Lösungen suchen und finden

Statt das Carolus zu schließen, sollte man auf seine christliche Vergangenheit bauen, das Menschliche hervorheben und die positive Resonanz nutzen. Die Mehrheit der AOK-Patienten findet das Carolus hervorragend, die Palliativstation gehört zu den bekanntesten. Darauf sollte man aufbauen. Wenn die Palliativstation schon so berühmt ist – warum spezialisiert man sich Carolus nicht auf Onkologie? Überall in der Welt wird gegen Krebs geforscht. Wir haben hier so viele Krebspatienten – wir brauchen eine richtige Onkologie. In Breslau eröffnet eines der größten Onkologie-Zentren Europas. Sie arbeiten eng mit der Kirche zusammen. Ärzte und Krankenschwestern werden bewusst nach christlichem Ethos ausgewählt. Warum beginnt das Carolus mit seiner katholischen Vergangenheit nicht eine Zusammenarbeit mit Breslau? Ein Bindeglied der Krebsforschung und -heilung zwischen Dresden und Breslau – mit Krankenschwestern, auch Nonnen aus Polen und aus Ländern, in denen die Borromäerinnen wirken, etwa Tansania.

Wäre ich Chefin des Carolus, würde ich das Haus auf Onkologie spezialisieren.


Mehr Jesus in dieser kranken Gesellschaft

Am Sonntagmorgen beginnen von allen Seiten die Glocken zu läuten. Überall um das Krankenhaus herum stehen Kirchen. Dieses Haus an der Wurzel der Landeskrone, mitten in der Natur, hat eine hochgeistige Aura. Hier werden Menschen gesund. Hier gehen Jesus und die Engel umher. Ich ging in die Christuskirche an diesem Sonntag und kam genau in dem Moment ins Haus, als der Pfarrer die Predigt hielt - Johannes 6: die Vermehrung der Brote.

Er erzählte dann von einem Bäcker in Paris, bei dem die Menschen nicht nur Brot kauften, weil es besser schmeckte. Mit dem Bäcker sprachen sie über ihre Probleme und Krankheiten. Er gab ihnen Trost und Lösungen. Es war das menschliche Gesicht und die Liebe zu den Kunden, die diese Bäckerei so besonders und so berühmt machte.

Diese Menschlichkeit ist etwas, das aus unserem Leben verschwindet. Doch genau sie ist die Grundlage, die Heilung bringt. Man hat kein Geld aber Menschlichkeit und das reicht. So wie Jesus die Brote vermehrte und die ganze Menge sättigte, so können in einem Krankenhaus egal wie arm und Pleite es ist, Wunder passieren wenn man an die Heilung glaubt!

So eine Haltung ist eng mit dem Christentum verbunden - und dem Eid des Hippokrates, das so oft vergessen wird. Die Ärzte und Pfleger, die sich an den Eid des Hippokrates, am Evangelium und an Jesus orientieren, und die Orte, an denen diese Menschen dienen, sind Orte, die man nicht aufgeben darf - weil dort noch Menschen können heilen, leben und sich freuen.


Ich weiß nicht, was ich noch schreiben soll, um zu erklären, wie wichtig es ist, dass das Carolus-Krankenhaus nicht verschwindet. Die kleinen Krankenhäuser im ländlichen Raum verschwinden. Doch genau das sind die Orte, an denen das Menschliche noch existiert - die Natur, die Ruhe, das Gute, die Werte. Das Krankenhaus in Ebersbach schließt ebenfalls Ende August. Seit ich über dieses Thema recherchiere, höre ich von mehreren Häusern in kleinen Städten, die schließen. Was soll daran gut sein? Der ländliche Raum verliert weiter an Lebensqualität, wenn Ärzte und Krankenhäuser verschwinden. Man versteht: Die Zukunft bedeutet, dass die kleinen Städte noch unattraktiver werden und die Menschen sie verlassen. Aber gerade umgekehrt sollte es sein: Menschen aus den saturierten Großstädten sollten zur Natur, zur Ruhe, frische Luft gehen und dort Sinn wieder finden.


Wir müssen der Tendenz die Kleinstädte zu verlassen so sehr wie möglich widerstehen. Die Schulen und Krankenhäuser der kleinen Städte müssen nicht nur bestehen bleiben – sie müssen Zentren einer besseren, menschlicheren Medizin und Ausbildung werden. Die bessere Ärzte und die bessere Lehrer, die bessere Künstler und Meister müssen raus aus der Großstadt und sie sollen ihr Zentrum des Wirkens in einer wunderschönen kleinen Stadt machen. Wir brauchen zum Beispiel eine Koryphäe der Onkologie und Krebsfoschung in Görlitz einladen, in dieser wunderschönen Stadt, und schon wird alles wieder besser gehen.

Transnationale Zusammenarbeit, Forschungszentren, Gelder aus dem Strukturwandel und der Europäischen Union: alles das kann einen guten Plan unterstützen, aber man muss erst einen guten, einen menschlichen Plan haben: Humanstisch denken, an das Gute glauben, kämpfen!

Ich weiß, dass mein Mann nach einer Woche Aufenthalt im Carolus zum Leben zurückkehrte. Ich weiß, dass wir das Carolus retten müssen.

Es ist eine Frage des Wollens und des Glaubens.




 
 
 

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