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Die vergessene Stadt

Warum die Oberbürgermeisterwahl in Görlitz an den echten Problemen der Menschen vorbeigeht


Am 10. Mai 2026 wählen die Görlitzer ihren Oberbürgermeister. Doch statt über die wirklichen Sorgen der Bürger zu sprechen, dreht sich der Wahlkampf vor allem um einen Zweikampf: Octavian Ursu, der Kandidat der großen Mitte-Parteien (CDU, Grüne, SPD, Bürger für Görlitz), gegen Sebastian Wippel von der AfD. Die Linke tritt mit Sabine Christian an, der parteilose Hagen Jeschke ebenfalls. Aber keiner der vier Kandidaten nimmt die drängenden Alltagsprobleme der Görlitzer wirklich ernst.

Wer in Görlitz lebt, kennt die Realität:

  1. Ärztemangel – Es gibt viel zu wenige Ärzte. Viele ältere Menschen warten monatelang auf Termine.

  2. Abwanderung – Junge Menschen kommen, sehen die Probleme und gehen nach wenigen Jahren wieder. Es fehlt an Arbeit, Perspektive, Ärzten und Lebensqualität. Die Stadt wirkt oft leer.

  3. Armut und soziale Abhängigkeit – Viele Familien sind seit Jahrzehnten abgehängt. Sie erhalten Sozialhilfe und werden von der Stadt als „chronisches Problem“ behandelt. Ganze Viertel fühlen sich vergessen.

  4. Überalterte Gesellschaft – Görlitz wird als Rentnerstadt entwickelt. Für junge Menschen ist das ein Alptraum. Es fehlt an Investitionen in Jugend, Ausbildung, Start-ups und bezahlbare Freizeit.

  5. Keine Geschäfte – Viele Läden sind verschwunden. Die Menschen kaufen fast alles online, weil es vor Ort kaum noch Angebote gibt.

  6. Massiver Leerstand – Ruinen und leerstehende Häuser prägen das Stadtbild seit Jahrzehnten. Das Haus des Handwerks gegenüber dem Bahnhof oder das Friesebad sind nur Beispiele.

  7. Politische Spaltung – Die Stadt ist tief gespalten. Nachbarn sprechen nicht mehr miteinander. Dieselben Gesichter stellen sich seit Jahren zur Wahl – das Versprechen auf Veränderung bleibt aus.

  8. Fehlende Zusammenarbeit mit Polen – Görlitz und Zgorzelec bilden eigentlich eine Doppelstadt, entwickeln sich aber weitgehend getrennt.

  9. Keine echten Zukunftsperspektiven nach dem Kohleausstieg – Neue Energiequellen werden kaum erforscht oder etabliert. Stattdessen setzt man auf Prestigeprojekte wie das Deutsche Zentrum für Astrophysik (DZA).

Ich selbst lebe in Görlitz und fühle mich manchmal wie in einem Gefängnis. Die Stadt hat Potenzial – aber es wird nicht genutzt.


Ein konkreter Vorschlag statt leerer Versprechen

Statt weiter nur auf Astrophysik zu setzen, sollte man auf dem Kahlbaum-Areal ein modernes Krebsforschungszentrum mit Klinik bauen – das würde den Ärztemangel bekämpfen und echte Jobs schaffen. Und warum nicht endlich eine echte polnisch-deutsche Zusammenarbeit im Weinbau starten? Der Weinhübel im Süden der Stadt hat Tradition, und in Zielona Góra boomt der Weinbau bereits. Gemeinsame Weinberge, Tourismus und Events könnten junge Menschen halten und die Grenzregion lebendig machen.


Was ich noch dringend vorantreiben würde: eine echte Zusammenarbeit mit Zgorzelec um die gemeinsame Infrastruktur zu entwickeln. Eine Strassenbahn die über die Europabrücke Görlitz mit Zgorzelec verbindet. Ein Paar mehr Brücken. Bahn-Verbindungen. Es gibt so viele Fördermittel der Europäischen Union die gar nicht benutzt werden.


Die Wähler haben am 10. Mai die Wahl. Aber solange die Kandidaten die echten Probleme ignorieren, bleibt Görlitz eine Stadt, in der viele nur noch „durchhalten“ statt zu leben. Es wird Zeit, dass endlich jemand die Bürger wirklich mitnimmt – nicht nur die Parteien.


Bilder von vergessenen, verlassenen und verfallenen Baudenkmälern der Stadt


Bild 1: Das Kaffee-Haus am Stadtpark war vor 10 Jahren offen. Es hatte einen Garten und war voll. Seit Jahren geschlossen.



Berzdorfer-See. Seit Jahren keine Entwicklung. Die Häuser waren damals noch bewohnbar. Heute Ruinen. Foto: Rittergüter Mittel-Deutsch-Ossig.



Blockhaus in Görlitz. Seit mehr als 10 Jahren geschlossen. Damals Restaurant.


Friesebad in Görlitz. Seit immer leer...


Turnhalle an der Neisse. Leer seit Jahren. Keine Nutzung.


Kondensatorenwerk Görlitz. Die schlimmste Ruine und Lost Place in Görlitz. Seit einer Ewigkeit zu und zerfällt.


Villa Arnade. Zerfällt.



Weinberghaus. Zerfällt



Haus des Handwerkes, Zerfällt.

Hohenzollernburg in Biesnitz. Zerfällt.



etc etc etc...

 
 
 

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