Pilgrimage – Die Wallfahrt. Vorwort
- Helena Triada Müller
- 23. Apr.
- 6 Min. Lesezeit
„Chosen One, God Is Roaring: What Felt Like Delay Was My Divine Preparation“
Spiritual Master
Hier legen meine Finger sich auf die Tasten und beginnen zu schreiben, ohne dass ich weiß, ob ich es kann – das Chaos der Gedanken und Emotionen, das in mir herrscht, zu ordnen und ihm eine Form zu geben. Das muss ich aber tun. Es ist innerer Drang und mein Weg. Heiliger Geist, steh mir bei, gib mir die Kraft und die Weisheit, die gebraucht wird, um die Nachricht zu verbreiten. Sprich du, verkünde, was zu sagen ist. Hier bin ich, ganz zu deiner Verfügung, du Heiland der Welt. Diese Welt und vor allem meine Heimat Europa braucht dich mehr denn je.
Ich sehe sie, wie sie die Hände zum Gebet faltet, verloren unter der Herrschaft einer autoritären, nicht guten Macht, die sie zerstört, ungeschützt vor Horden muslimischer Einwanderer, die seit Dutzenden von Jahren ihre Seele, ihre Bürger, vor allem ihre Frauen und Kinder schikanieren und damit die Zukunft dieses schönen Kontinents, meines Hauses, dem Untergang weihen. Ich höre den Schrei dieser Frau, wie ich mein Europa sehe. Es war ja eine wunderschöne Frau, die Zeus sich zur Frau wählte, dort an der Küste Phöniziens im Mittleren Osten, wo ihr Vater Agenor lebte. Er entführte sie in Gestalt eines Stiers, brachte sie in seine Heimat Kreta und versprach, einen Erdteil nach ihr zu benennen – das, was heute mein Zuhause ist. Aus diesem Teil der Welt, Phönizien, kam auch die Schrift nach Griechenland und Europa, aus Israel später unsere Religion, das Christentum.

Du alter Kontinent, Haus großer Männer und Frauen, die das Licht der Kultur in der ganzen Welt verbreiteten – ich liebe dich, und mein Herz blutet beim Anblick deiner Versklavung und Vergewaltigung unter der Herrschaft von Menschen, die für dich keinen Respekt haben. Ich will dich schützen, retten, wiederherstellen, heilen, dich wieder lächeln und blühen sehen. Ich beginne heute eine Pilgerschaft, um den Weg für diesen Zweck zu finden.
Vor ungefähr zweihundert Jahren führte eine ähnliche Pilgerschaft ein anderer Europäer: George Byron. Es war eine ähnliche Zeit. Imperien unterdrückten die Völker Europas, die nach Identität und Selbstbestimmung dürsteten. Es war eine natürliche Entwicklung aus der Aufklärung, dass die Völker eine Erkenntnis ihrer selbst begannen. Sie studierten ihre Sprache, Traditionen, Legenden, Märchen und Lieder, schauten in den Spiegel und legten die Grundsteine der europäischen Staaten. Die Imperien jedoch wollten das nicht. Die „da oben“ konnten diese neue Zeit nicht erkennen, denn sie hätte automatisch ihre Herrschaft und das Ancien Régime beendet.
Propheten erschienen, um die Völker und die Schwächsten vor den Mächtigsten zu schützen, Stimmen der Gerechtigkeit zu werden und die Menschen zu leiten. Menschen wie Byron, der in seinen Schriften von den Orten Europas erzählte, die er auf einer Art Pilgerschaft besuchte – auch mit dem Wunsch, seinen Kontinent zu retten: nach Griechenland, auf dem Weg, das Land des Zeus und Europas aus den Händen der islamischen Herrschaft, einem vierhundertjährigen Joch, zu befreien. Auf dem Weg von seiner Heimat Schottland dorthin besuchte er die Orte, an denen ähnliche Menschen vor ihm, ebenfalls „Propheten“ aus anderen Zeiten, Europa zu mahnen oder zu retten versucht hatten. Byron war, meiner Meinung nach, auf dem Weg nach Griechenland, bewusst, dass sein bewegtes, chaotisches und trauriges Leben einen höheren Zweck hatte – eine Berufung zu erfüllen, ein Leuchturm seiner Zeit zu werden. Das er sein wichtigstes Lebenswerk "Pilgerschaft des Knappen Harold" nannte, also sich auf den Spuren der mittelalterlichen Ritter nach Jerusalen empfand, bedeutet für mich dass er sich als Pilger nach Jerusalem sah. Ich weiß - ich spüre es - dass der Verfasser der "Hebrew Melodies" hätte seine Pilgerschaft und prophetisches Werk - seine politische Wirkung in Israel vollendet, wäre er nicht so frühzeitig in Messolonghi gestorben.
Die Reise nach Ravenna war mein Traum seit vielen Jahren. Die Bilder der byzantinischen Kirchen faszinierten mich schon in früheren Zeiten, als ich noch gar nicht wusste, wer ich bin, und als Studentin der Musik und junge Opernsängerin in Italien lebte. Ich hatte damals kein Bewusstsein des christlichen Erbes Europas und seiner Geschichte. Ich war selbst, das was man nennt "Kultur-Christin" - einfach getauft (Christlich Orthodox) aber nie wirklich bewusst mich mit Religion auseinandergesetzt. Das Bewusstsein wer Jesus war, seine Rolle für die Geschichte Europas und die bewusste Lesung des Evangeliums und des Alten Testamentes, began in meinem Leben erst nach der großen Krise vor einigen Jahren.
Nel mezzo del cammin di nostra vita mi ritrovai per una selva oscura ché la diritta via era smarrita.
Dante Alighieri, Beginn der "La Divina Commedia"
Die bekannte Bilder der Mosaiken von Ravenna kehrten in meine Erinnerung zurück, als ich 2022 während meines Studiums der Zeit um die Griechische Revolution die Biographie Lord Byrons las. Ravenna war eine der wichtigsten Stationen seiner Reisen, wie man es in Childe Harold’s Pilgrimage lesen kann – seine letzte vor der Abreise nach Messolonghi, wo er 1824 starb. Ich hatte Messolonghi schon vor zwei Jahren zusammen mit Naupaktos (Lepanto) besucht. Dort erfuhr ich, dass die berühmte Seeschlacht von Lepanto am 7. Oktober 1571 in den Gewässern vor Naupaktos stattgefunden hatte – einer Stadt, die auch Lepanto genannt wird und die in unmittelbarer Nähe von Messolonghi liegt. Einer der großen Schriftsteller Europas kämpfte dort: Cervantes, als Soldat unter Don Juan de Austria, zusammen mit den Venezianern, die den Ort erfolgreich gegen die Osmanen verteidigten.

Die Geschichte Messolonghis lohnt sich gerade jetzt erzählt zu werden. Genau vor zwei Wochen feierten wir die zweihundert Jahre seit dem Exodus von Messolonghi, jenem tragischen Ereignis, das die Befreiung Griechenlands von den Türken entscheidend beschleunigte. Die Seeschlacht von Lepanto hatte Venedig die Herrschaft über die adriatische Küste, die Ionischen Inseln und auch Messolonghi gesichert. Während der Rest Griechenlands und des Balkans unter muslimischer Herrschaft orientalisch und unterdrückt lebte, bewahrten die Inseln und Messolonghi ein westliches Leben und eine westliche Kultur. Doch die venezianische Herrschaft endete 1797, als Napoleon im Zuge der Koalitionskriege die Venezianer zwang, ihre Kolonien aufzugeben.
Die Französische Revolution hatte jedoch bereits den Freiheitsdrang der Völker Europas geweckt. Die Bürger von Messolonghi wollten sich dem Sultan nicht mehr unterwerfen. Die "Heilige Stadt" wurde zum Symbol des Widerstands. Freiheitskämpfer aus ganz Europa verschanzten sich dort und kämpften gegen die Türken. Zweimal überstanden sie die Belagerung erfolgreich, bis 1826 Ibrahim Pascha aus Ägypten mit einem Heer von zwanzigtausend Kämpfern – Arabern aus Ägypten und Afrikanern aus dem Sudan – eintraf und die dritte Belagerung zur Niederlage zwang. Fast alle heldenhaften Bewohner der Stadt, zusammen mit den ausländischen Widerstandskämpfern aus der ganzen Welt – aus den USA, der Schweiz, England, Polen, Russland, Deutschland und vielen anderen Ländern –, starben im heroischen Exodus oder geraten in Gefangenschaft und wurden als Sklaven von den Osmanen im Osten verkauft. Wie erwähnt, berührte dieses Opfer die westlichen Mächte so tief, dass sie Griechenland bei den Befreiungsbemühungen unterstützten und damit den Anfang vom Ende des Osmanischen Reiches einleiteten.
Die Künstler waren für diese Bewegung von entscheidender Bedeutung.
Byron inspirierte Wilhelm Müller, Victor Hugo, Delacroix und so viele andere Künstler der Christlichen Welt, von Russland bis Amerika. Sie malten und besangen Griechenland und weckten in den Europäern das Bewusstsein ihrer europäischen Seele, deren Wurzeln im Christentum und in der griechisch-römischen Kultur lagen. Überall in Europa begann dieses neue Bewusstsein, vorangetrieben von Künstlern: Malern wie Delacroix und Caspar David Friedrich (für das Selbstbewusstsein der Deutschen), Poeten, Philosophen, Schauspielern und Musikern.
Byron war also auch in Venedig und Ravenna - und inspiriert haben ihn die Reminisenzen von Lepanto und der Kreuzzüge. Es war aber nicht nur die Geschichte der alten Stadt, die wie keine andere in Italien Etrusker, Weströmer, Oströmer (Byzanz) und die Ostgoten unter Theoderich als Herrscher gesehen hatte und deren Spuren bis heute überall sichtbar und erlebbar sind.
Dante lebte hier und schrieb im Exil von seiner geliebten Heimat sein letztes Werk, das Meisterwerk Divina Commedia. Dante lebte (ebenso wie Byron um 1820) in einer gespaltenen Gesellschaft und empfand wie viele Künstler die „prophetische“ Berufung in einer Welt voller Verwirrung, Chaos und dem Bedürfnis nach KLARHEIT. Er beteiligte sich in die Politik seiner Stadt. Florenz war um 1295 gespalten (Guelfen und Ghibellinen) und kämpfte um einen in die Freiheit von autoritären Mächten. Die pro-päpstlichen Parteien gewannen jedoch, und alle „Weißen“ – die Partei, der Dante folgte – verloren und mussten die Stadt verlassen. Eine Rückkehr hätte ihm den Tod durch Verbrennung gedroht. In Ravenna, beim Adeligen da Polenta, fand er Zuflucht. Und beim Schreiben fand er die letzte Möglichkeit, in seiner Zeit Klarheit zu schaffen.
In der Göttlichen Komödie erzählte er die Geschichte Europas und besonders seiner eigenen Zeit, teilte die Menschheit in Gute, Bessere und Heilige, indem er sie in Hölle, Fegefeuer und Paradies platzierte, und stellte die helle Idee dar, dass Jesus, der alleinige Retter dieser Welt und Europas, ist. Byron kannte diese Geschichte gewiss, als er 1819 hierherkam, auf seiner Pilgerschaft.
In diesem Ravenna von Byron und Dante, wo Dichter im Licht von Jesus, Maria und den Aposteln stehen – wie man sie in den byzantinischen frühchristlichen Mosaiken noch heute sehen kann –, begann ich in diesem Jahr, am 22 April meine Pilgerschaft.
Wie Dante, wie Byron fühle ich mich verbannt aus einem Deutschland und Europa, das gespalten einer Katastrophe entgegengeht. Ich finde Zuflucht für meinen Geist in den Tempeln, den historischen Städten, die Biographien der alten Propheten, Männer und Frauen Europas, in Literatur, Musik und Geschchte. Ich werde zu Pilger und ich will durch meine Pilgerschaft Klarheit herstellen, Lösungen und Auswege inspirieren. Europas Geschichte und dieser Heilige Geist, den Jesus uns versprochen hat als Beistand in jeder Krise, seien mir Begleiter.



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