Baum ohne Wurzeln
- Helena Triada Müller
- 25. März
- 10 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 25. März
Kritik an der Kulturpolitik der Stadt Görlitz in Bezug auf die Stadthalle und das Lausitz Festival
Am Montag, dem 9. März 2026, fand in der Sächsischen Landesvertretung in Berlin die Veranstaltung „Stadthalle Görlitz – Präsentation – Gespräch – Austausch“ statt. Veranstalter waren die Görlitzer Stadtverwaltung und die Kulturservice GmbH. Die Einladung richtete sich vor allem an Berliner, die die Stadthalle künftig als Konferenzzentrum nutzen könnten.
Für die Einladung – die ich nach meiner Reservierung der Stadthalle für den Lied Wettbewerb „Bolko von Hochberg“ im Jahr 2030 erhielt – war ich Frau Zips besonders dankbar.
Bevor ich von der Präsentation und meinen Eindrücken als Teilnehmerin berichte, möchte ich ein kurzes Vorwort zur Geschichte schreiben. Der Titel meines Artikels ist nicht zufällig gewählt. Jenes Gebäude sehe ich als symbolträchtig. Es ist fest am Boden der Europabrücke verwurzelt, hat eine Geschichte und sehnt sich nach einer Zukunft – einer Zukunft, die mit dieser Vergangenheit verbunden bleibt. Die Wurzeln dieses Gebäudes liegen in der Stadt: Es heißt schließlich Halle der Stadt. Und seine Wurzeln reichen in den Osten, denn dort wurde der Erbauer geboren und starb er. Bolko von Hochberg war ein schlesischer Adeliger – seine Heimat liegt heute in Polen. Er liebte die Musik und seine Heimat und baute für die Schlesischen Musikfeste einen Saal mit hervorragender Akustik.
Um die Seele eines Gebäudes zu verstehen, muss man sich mit seiner Geschichte auseinandersetzen. Die Stadthalle wurde in Görlitz geboren, erlebte die Blüte der Stadt, die Kriegsereignisse, die NS-Zeit, die DDR-Zeit, die Wende – und steht noch immer da, unverzehrt wie ein Wunder. Ihre herausragende Akustik durfte ich noch erleben, bevor das Parkett entfernt wurde. Der Saal war noch original, ebenso wie die von Reinhard Seeliger gerettete Sauer-Orgel.
Die Stadthalle wurde 2010 geschlossen, weil sie angeblich nicht mehr sicher war. Die Görlitzer überlegten sogar, das herrliche Denkmal abzureißen, da sie keine Nutzung dafür fanden. Einfach als Saal für die Bewohner der Stadt zu dienen, reichte ihnen offenbar nicht. Gott sei Dank kam es nicht dazu. Vielleicht haben meine Briefe an den Bürgermeister oder meine Bemühungen um Bolko von Hochberg die Haltung gegenüber diesem Denkmal etwas verändert – für mich ist es das wichtigste Bauwerk zwischen Dresden und Breslau.
Schließlich fand die Stadt eine Nutzung und präsentierte ein Betriebskonzept. Genau dieses wurde am Montag in Berlin vorgestellt. Die Stadthalle soll ein Kongresszentrum im Stil des Wiesbadener Kurhauses werden; der Baudirektor des Kurhauses wird auch den Bau und Betrieb der Stadthalle übernehmen.
Ich war nicht die Einzige, die enttäuscht zuhörte. Es fiel kein einziges Wort über Musik. Nicht einmal der Name des Mannes wurde erwähnt, der für den Bau dieses Denkmals verantwortlich war: Bolko von Hochberg – dessen 100. Todestag wir in diesem Jahr begehen. Die Menschen, die die Stadthalle erbaut haben, wurden ignoriert, ebenso wie der wichtigste Grund, warum sie erbaut wurde. Man schneidet die Wurzel ab und pflanzt ein neues Konzept ein, das mit der Vergangenheit wenig Verbindung hat. Wenig mit den Schlesischen Musikfesten, mehr mit dem Konferenzzentrum aus Wiesbaden. Was ein Bindeglied mit Polen sein sollte, wird zum Bindeglied mit Westdeutschland. Auch das Allerwichtigste für dieses Gebäude – seine Nutzung als gemeinsamer Saal für die beiden Teile der Stadt, den polnischen und den deutschen – wurde nicht erwähnt. Niemand aus Zgorzelec war eingeladen.
Nach einem Gespräch vor einigen Tagen im Dom Kultury verstand ich, dass die polnischen Mitbürgerinnen und Mitbürger keine Ahnung von den Sanierungsplänen der Stadthalle haben. Sie zweifeln sogar, ob sie überhaupt saniert wird, und waren überrascht, als ich ihnen erzählte, dass bereits Reservierungen entgegengenommen werden und ich schon für das Jahr 2030 reserviert habe.
Wer war stattdessen in Berlin dabei, wenn nicht die Partnerstadt Zgorzelec? Die westliche Partnerstadt Wiesbaden. Wie eine Bestätigung meines gestrigen Beitrags über die Abneigung mancher CDU-Kreise gegen den Osten wirkt dieser Beweis durch die Pläne für die Stadthalle. Aber beginnen wir von vorn.

Vorgeschichte
An der Brücke, die Deutschland mit Polen verbindet, steht ein tempelartiges Denkmal. Auf dem Giebel eine Kopie des Reliefs von Orfeo, Euridice und Hermes aus dem Museum in Neapel. Das gesamte Gebäude ist voll mit geheimnisvollen Symbolen im typischen Stil von Bernhard Sehring. Der Architekt hatte eine Vorliebe für Symbole des Historismus sowie christlicher und archaischer Mystik. Sein Atelier in Berlin hieß Künstlerhaus St. Lukas (Lukas, der Evangelist und Patron der Maler), er baute viele Theater und sein letztes Werk, die Rosenburg, ist ebenfalls voller mystischer Elemente aus Mittelalter, Renaissance, Barock und Christentum.
Die Stadthalle ist keine gewöhnliche Halle. Sie ist voller Sehring-Elemente – neben Putten und Sphinx-artige Löwen, ist der Orpheus an der Fassade einzigartig im Schaffen von Sehring. Der Sänger, der seine Geliebte mit seinem Gesang aus der Hölle zurückbringt. Nicht zufällig steht dieser geheimnisvolle Orpheus am neoklassischen Giebel der Halle, die wahrscheinlich für den Gesang gebaut wurde.

1910 wurde die Halle für die Schlesischen Musikfeste eröffnet – eines der ältesten Musikfestivals Europas (seit 1830). Schlesien, wie es der schlesische Adelige kannte und wo er 1843 geboren wurde, existiert heute nicht mehr. Heute ist Schlesien Polen, unser Nachbarland im Osten und eine der reichsten Regionen Polens.
Orpheus am Giebel der Stadthalle bringt seine Euridice wieder zum Leben. Und sie sieht eine geteilte Stadt, zwei Völker – und weiß genau, dass in diesem Saal die beiden Nachbarvölker sich treffen sollen, um gemeinsam über Gott und Frieden zu singen. Der Saal sollte der Treffpunkt der Bürgerinnen und Bürger aus Görlitz und Zgorzelec sein, aus Sachsen und Schlesien, aus Deutschland und Polen, aus West- und Osteuropa. Sollte …
Berlin, 9. März 2026, 13 Uhr
Am Eingang der Sächsischen Landesvertretung in der Brüderstraße empfängt uns Frank Seibel von der Kulturservice GmbH. Im Foyer bei einem Getränk sehen wir nicht viele Berliner: drei ältere Mitglieder des Fördervereins Stadthalle, die Leiterin des Kulturraums Oberlausitz-Niederschlesien Frau Anne-Marie Franke, einige unbekannte Gesichter aber zwei sehr bekannnte Gesichter, Stephan Rauhut (Haus Schlesien) und Dr.Peter Schabe (Stiftung Polnisch-Deutscher Denkmalschutz). Ein TV-Team des MDR (das nur zu Beginn Bilder drehte und dann ging), sowie einige Politiker. Ministerpräsident Michael Kretschmer, Oberbürgermeister Octavian Ursu und Kultur-Bürgermeister Benedikt Hummel (alle CDU) sowie als Vertreterin der Grünen Franziska Schubert waren anwesend.
Neben Frau Schubert saß vorne ein Vertreter der polnischen Botschaft, Herr Jakub Jan Wawrzyniak. Im Saal befanden sich außerdem die späteren Referenten sowie Herr Günther Hasinger, Geschäftsführer des Zentrums für Astrophysik Görlitz, und Enrico Kasper, Geschäftsführer der EuropaChorAkademie (ebenfalls CDU), der später am Infostand über das Kongresszentrum Stadthalle saß und Informationen gab. Enrico Kasper ist bei fast jeder Veranstaltung zum Strukturwandel in der Lausitz dabei und wirbt stets für das Lausitz Festival.
Diese wenigen Gäste begrüßten der Bevollmächtigte des Freistaats Sachsen in Berlin, Markus Franke (CDU), und die Görlitzerin Maria Schulz, Mitarbeiterin im Kulturamt und Geschäftsführerin des Lausitz Festivals.

Herr Ursu präsentierte per PowerPoint die Europastadt Görlitz-Zgorzelec, Herr Hummel das Konzept der Stadthalle Görlitz mit Schwerpunkt auf dem modernen Anbau, der gerade neben der Stadthalle entsteht und notwendig sei, um sie in ein Kongresszentrum zu verwandeln. Er lud die Verantwortlichen für dieses Konzept auf die Bühne. Sie präsentierten das – recht exklusive – Marketing: Grafik, neues Logo, Website etc. Ich dachte mir: Der Saal ist noch nicht saniert, aber das luxuriöse Marketing schon.
Das Konzept stellte Lars Bogdahn von der Agentur „The Studios“ vor – derselben Agentur, die auch das Marketing des Lausitz Festivals betreut. Man fragt sich: Gab es eine Ausschreibung? Ist es Zufall, dass dieselbe Marketingfirma aus Hamburg alles betreut? Und warum ist das Lausitz Festival mit der Stadthalle verbunden? Wurde das Görlitzer Volk darüber informiert?
„The Studios“ ist eine international tätige, inhabergeführte Designagentur mit Sitz in Hamburg – ebenso wie der künstlerische Leiter des Lausitz Festivals, Daniel Kühnel.

Als ich das Konzept und die Website des künftigen Kongresszentrums Stadthalle Görlitz unserem jungen Grafiker zeigte, kommentierte er treffend: Der Schwerpunkt liege auf dem modernen Anbau statt auf der Stadthalle selbst. Nichts erinnere an den Historismus und den monumentalen Charakter des Gebäudes. Man hätte etwas aus der Stadthalle erwarten dürfen – die Musen der Orgel, einen Engel vom Balkon, einen Putto, Orpheus, die Musik, Bolko von Hochberg, die Jugendstil-Orgel. Irgendetwas aus diesem wunderschönen Gebäude. Nichts davon. Wie das gesamte Konzept des Lausitz Festivals die Klassizität der Stadt Görlitz vernachlässigt und alles modern macht, so auch das Konzept für die Stadthalle: ein modernes GSH-Logo und der quadratische Anbau, entworfen vom lokalen Architekten und (ebenfalls CDU?) ChrIstian Weise.
Nachdem Lars Bogdahn das Konzept vorgestellt hatte (und dabei zweimal den Namen des Berzdorfer Sees falsch buchstabierte – „Brezdorfer“), saß er am Podium neben Eva Wittig (Geschäftsführerin der Europastadt Görlitz-Zgorzelec), Henning Wossidlo (ehemaliger Bauherr und Direktor des Kurhauses Wiesbaden und künftiger Bauherr der Stadthalle) sowie Matthias Schultze, Geschäftsführer des German Convention Bureau e.V. aus Frankfurt am Main. Sie plauderten noch einige Minuten, dann war es vorbei. Die letzten Worte waren ein Scherz über den Wunsch des Oberbürgermeisters, die Berliner Philharmoniker 2028 zur Eröffnung einzuladen. Es gab keine Fragerunde – was mich wunderte. Ich und wahrscheinlich viele andere hatten einen Haufen Fragen. Es wirkte, als wollte man diese Fragen vermeiden.

Danach lud man uns in den Nebenraum zu einem Empfang ein, wo wir uns mit anderen austauschen sollten. Wenn man bedenkt, dass fast nur Menschen des Projekts selbst eingeladen waren, bezweifle ich, dass es viel echten Austausch gab. Ich hatte viele Fragen und versuchte, sie loszuwerden.
Zuerst näherte ich mich Herrn Wawrzyniak, der sich elegant und höflich wunderte, dass ich als Einzige im Raum Polnisch mit ihm sprach. Ich erklärte ihm, wie wichtig die Stadthalle für die polnisch-deutschen Beziehungen sei – er stimmte mir voll und ganz zu. Er gab mir seine Visitenkarte, ich ihm einen Flyer des Wettbewerbs mit der Bitte, beim Liedwettbewerb Bolko von Hochberg dabei zu sein.
Später traf ich ihn wieder am Tisch mit Frau Schulz. Ich fragte sie, warum man bei der geplanten Renovierung der Straßenbahn in Görlitz nicht auch die Linie nach Zgorzelec wieder eröffne – das wäre eine Lösung für das Parkplatzproblem an der Stadthalle. Herr Wawrzyniak fand das Thema sehr interessant, denn Polen sei immer sehr interessiert an Infrastrukturmaßnahmen zwischen beiden Ländern (Brücken, Straßen, Straßenbahnen, Züge etc.). Die Geschäftsführerin der Europastadt schien weniger interessiert, und das Thema verlief im Sand.
Herr Hummel fragte mich, ob ich inzwischen Frieden mit dem Anbau der Stadthalle geschlossen hätte. Ich machte ihn darauf aufmerksam, dass die Menschen vor Ort die Unterstützung der Stadt brauchen. Menschen wie ich, die seit vier Jahren ganz allein den Liedwettbewerb Bolko von Hochberg veranstalten. Wie gerne hätte ich Unterstützung bei den Werbemaßnahmen! Und warum wolle man die Stadthalle mit den Berliner Philharmonikern eröffnen und nicht mit der Neulausitzer Philharmonie? Wir haben so viele Talente vor Ort, die die Stadt ignoriert …
Ich fragte ihn, warum die Stadt ständig die Hamburger und das Lausitz Festival unterstütze, während wir in Görlitz Menschen wie Waltraud Simon haben, die ein auf Polen ausgerichtetes Festival – die Schlesischen Musikfeste – auf die Beine stellen wollen. Herr Hummel antwortete, das Thema „Schlesien“ sei nicht mehr zeitgemäß. Ich versuchte zu widersprechen, doch Herr Hummel wurde rot, ich spürte seinen Unmut und zog mich zurück, um ihn von meiner unangenehmen Präsenz zu befreien.
Ich wollte noch etwas Herrn Ursu fragen – er wandte mir den Rücken zu und ging. Ich nahm meinen behinderten Mann an die Hand, warf einen letzten Blick in die Runde dieser überheblichen Elite und ging.
Nein, das stimmt nicht ganz. Nicht alle waren überheblich. Anne-Marie Franke begrüßte mich mit einem Lächeln und freundlicher Art. Ebenso Herr Schabe von der Deutsch-Polnisch-Stiftung Denkmalschutz, ist ein sehr bescheidener und offener Mensch. Beide sind Persönlichkeiten mit einer langen Geschichte und Rolle bei der Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschland. Ich schätze ihren Einsatz für die deutsch-polnischen Beziehungen sehr. Daher sollten sie öfters ihre kritischen Stimmen erheben und nicht alles akzeptieren was die Wessi-CDU in Görlitz anrichtet. Besonders Anne-Marie Franke, die selbst im Bach-Chor singt, da sie Reinhard Seeliger kennt und weiß, warum er vor zwei Jahren monatelang in eine schwere Depression verfiel.
Und schiesslich, wie konnte ich dich vergessen, Stephan! Stephan Rauhut, ebenfalls Görlitzer und CDU-Mitglied, aber anders. Obwohl er im Westen wohnt, ist er ein echter Ossi. Er liebt Schlesien und findet nicht, dass es nicht mehr zeitgemäß sei. Er arbeitet mit Waltraud Simon bei den Schlesischen Musikfesten und war der freundlichste und entspannste Mensch in diesem Event. Wir rauchten draußen noch eine Zigarette – das hätte ich mit keinem anderen dort drinnen tun können.
Kleine letzte Geschichte
Reinhard Seeliger lebt seit mehr als 40 Jahren in Görlitz. Er kam aus Hirschberg in Thüringen noch in der DDR-Zeit hierher. Er hat alles miterlebt und ist nach der Wende nicht weggezogen. Er war Kirchenmusikdirektor, Organist, Dirigent, Leiter der Hochschule für Kirchenmusik (die 2010 geschlossen wurde) und verantwortlich für die Rettung vieler Orgeln der Stadt, darunter der Sauer-Orgel der Stadthalle.
Reinhard Seeliger ist der Mensch, der ehrenamtlich, mit Herz und Liebe die Bürger von Görlitz sammelt, um gemeinsam zu singen (Bach-Chor), die Bach-Tage organisiert und dutzende Veranstaltungen im Jahr auf die Beine stellt – alles mit sehr wenig Geld der Evangelischen Innenstadtgemeinde.
Warum wird Reinhard nicht in das Konzept der Stadthalle einbezogen? Warum wird sein Wunsch, Orgelkonzerte in der Stadthalle zu spielen, nicht erhört? Warum lädt man für das Lausitz Festival unbekannte „große Sterne“ aus dem Westen ein, während man die lokalen Talente ignoriert? Wer soll unsere lokalen Künstlerinnen und Künstler bewerben, wenn nicht unser Bürgermeister?
Warum regiert diese Stadt eine so abgehobene Elite, die kein Herz für die einfachen Menschen vor Ort hat, kein Mitgefühl für ihre Sorgen und Nöte? Warum blicken sie ständig Richtung Westen und die Partnerschaft mit Wiesbaden, vergeben Aufträge an Elite-Firmen aus Hamburg, Wiesbaden und Frankfurt – und interessieren sich nicht für Zusammenarbeit mit dem Osten?
Warum sind sie so blind und so herzlos?
Die Stadthalle spricht eine klare Sprache: Sie ist die Halle der Stadt. Sie gehört den Görlitzern, den einfachen Görlitzern, die dort etwas Schönes und Einfaches erleben möchten – ein Orgelkonzert, die Neulausitzer Philharmonie, ein Opernkonzert mit Sängern des Theaters oder eine INTERREG-Zusammenarbeit mit in Jelenia Góra. Vielleicht ein Marketingbüro aus Breslau? Das Gebäude an der Brücke nach Polen schreit förmlich nach Zusammenarbeit mit Polen.
Es ist nicht in Ordnung, wenn die politische Elite dieser Stadt alles aus dem Westen importiert und ein Hamburger Festival mit modernem Charakter in einer Stadt des Neoklassizismus platziert – ein absoluter Fremdkörper hier. Es kassiert Gelder des Strukturwandels, die eigentlich den Menschen gehören, die hier wohnen. Das Theater steht vor dem Ruin, die hiesigen Künstler sind perspektivlos und depressiv – und dennoch unterstützt die Stadt die Hamburger, die in Hamburg bereits alles haben. Im Programm des Lausitz Festivals 2026 taucht kein einziger Görlitzer Name auf. Alles gehobene Gesellschaft und moderne Formate, die mit Görlitz gar nichts gemeinsam haben.
Eine andere Frage, die ich dieser reichen CDU-Elite gerne stellen möchte: Wie soll sich jetzt ein armer Görlitzer gemeinnütziger Verein die Miete des Saales leisten? 3700 € für den großen Saal, 1100 € für den kleinen. Wenn ich den Liedwettbewerb 2030 im großen Saal veranstalte – sechs Tage –, muss ich mit einer Miete von über 22.000 € rechnen. Das ist ungefähr das, was meine Schwester als Krankenschwester in Griechenland in zwei Jahren verdient.
Ich werde euch nie verzeihen, CDU-Elite dieser Stadt, dass ihr bei der Vorstellung des Konzepts für die Stadthalle nicht an das einfache Volk gedacht habt – an die Menschen, die euch wählen und denen ihr dienen sollt. Ich werde euch nie verzeihen, dass ihr nicht einmal den Namen des Schlesiers Bolko von Hochberg erwähnt habt, des Mannes, der diese Stadthalle erbaut hat.
Ich werde auch Journalisten wie Sebastian Beutler nicht verzeihen, dass sie all diese Zustände mit ihrer lobenden Berichterstattung decken, nie eine kritische Frage stellen, nie ein kritisches Interview führen. Egal, was die CDU-Elite hier macht – der Hofjournalist präsentiert es sauber. Warum stellt er keine Fragen, wie Aufträge und Positionen verteilt werden? Mir scheint es nicht normal, dass so viele CDU-Mitglieder mit der Stadthalle und dem Lausitz Festival verbunden sind. Verteilt man die Aufträge und Posten untereinander? Ich bezweifle es, aber ein Journalist sollte sich diese Fragen stellen!
Und so wird es wahrscheinlich in den nächsten Jahren weitergehen. Die Menschen haben keine Macht, etwas zu verändern. Die Stadt wird westlich und CDU-regiert bleiben, bis die Rentner, die sie wählen, sterben. Die neue Generation wird nie erfahren, was hier um die Stadthalle zwischen Westen und Osten wirklich passiert ist.
Ich kann nicht mehr tun, als diese Zeilen zu schreiben. Ein Mahnmal für die Ungerechten und Schwachen, ein Denkmal für die Guten und Mutigen. Eines Tages, beim Jüngsten Gericht, wird jeder Pharisäer danach gerichtet werden, wie er mit den Armen und Einfachen seiner Stadt umgegangen ist. Ich war Zeuge.


















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